Fokussieren vs. Diversifizieren. Schicken wir ein Pferd ins Rennen oder wetten wir lieber gleich auf Zwei?

Life’s a bitch! Als Unternehmer hat man den Vorteil, dass man sich den Dingen widmen kann, die einem Spass machen und wirklich interessieren. Man kann aus einer Idee, einem Hobby oder einem Talent ein Unternehmen machen und wenn alles gut läuft ein Einkommen erzielen und schliesslich der 40-Stunden-Arbeitswoche entkommen. Die Wenigsten von uns Träumen davon bis zum 70. Lebensjahr zu arbeiten, ständig neue Aufgaben zugeteilt zu bekommen und jeden Morgen um 9:00 Uhr auf der Matte zu stehen. Doch sobald der erste Schritt in Richtung Selbstständigkeit gemacht ist, wird jedem Unternehmer schnell klar, dass das Leben der Entrepreneure nicht immer leicht ist. Gerade wenn wir das Ziel haben ein regelmässiges Einkommen zu erzielen, ohne uns von einem Job oder unserem eigenen Unternehmen gefangen nehmen zu lassen, kommt sehr schnell der Moment an dem wir uns fragen müssen, ob wir uns auf ein Projekt fokussieren oder ob wir gleich mehrere Projekte anschieben wollen. Ideen gibt es wie Sand am Meer – was kann man also machen, wenn man 2 gute Ideen für seine Selbstständigkeit hat? Kann man es schaffen 2 oder 3 Produkte oder Projekte gleichzeitig an den Markt zu bringen?

These 1: Wir können nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Ein Unternehmen muss aufgebaut werden und es kostet Zeit und Energie, die ersten Kunden zu gewinnen, die Webseite online zu stellen, Social Media wie Facebook, Google+, Twitter, Pinterest, Tumblr etc zu pflegen, Suchmaschinenoptimierung zu betreiben, Adwords Kampagnen zu optimieren, PR Kontakte zu sammeln, die richtigen Marketing Kanäle zu wählen etc. Wenn man diese Sachen alle richtig vorantreiben will, bleibt keine Zeit für weitere Projekte und wenn man den Start nur halbherzig macht, wird man sich mit seinem Unternehmen nie absetzen können und nie das Einkommen erzielen bzw. die Verkaufszahlen erreichen, was man ursprünglich vor hatte.

Antithese 1: Geteiltes Leid, ist halbes Leid.
Jede Gründungsphase oder Produktplatzierung ist anstrengend und benötigt strukturiertes Denken, klare Prioritäten-Listen und ein gezieltes Vorgehen. Wer dies nicht richtig hinbekommt, wird sich bereits beim Start die Zähne ausbeissen. Auf der anderen Seite, sind die, die alles ausreichend vorbereiten und eine klare Vision haben, wie und wann was stehen soll bzw. welche Milestones erreicht sein müssen / sollten. Wenn der Plan für unser Vorhaben detailliert genug ist, macht es Sinn gleich ein zweites oder drittes Produkt an den Markt zu bringen. Die Arbeitsschritte, siehe oben – aber um noch kleinere Arbeitspakete zu erwähnen: email Adressen einrichten, Webseiten-Texte schreiben, Google Analytics integrieren, Flyer erstellen lassen und in Druck geben, Kundendatenbanken anlegen, Muster-Rechnungen vorbereiten, Verhandlungen mit Lieferanten, Versicherungen abschliessen, Logistik organisieren, Versandkosten berechnen und Versand arrangieren etc, – sind immer gleich bzw. sehr ähnlich. Leider müssen wir uns immer wieder in jeden Arbeitsschritte reindenken, wenn 3 Monate oder gar ein Jahr dazwischen liegen. Um also möglichst produktiv und effizient arbeiten zu können (und wir wollen alle weniger arbeiten und mehr Freizeit haben), ist es sinnvoll diese gleichen Arbeitspakete zu „batchen“. Wir bündeln Aufgaben, die sich wiederholen in einem Arbeitsschritt – zum Beispiel dauert es ca. 20 Minuten Google Analytics das erste Mal zu integrieren, sich die Anleitung durchzulesen, den Code zu generieren, auf die Bestätigung zu warten etc. Wenn wir diese Aufgabe in 4 Monaten noch mal machen, dauert es wieder 15 Minuten. Wenn wir allerdings das zweite Projekt gleich im Anschluss nach dem ersten Projekt machen dauert es vielleicht gerade mal 5 Minuten.

These 2: Hochmut kommt vor dem Fall.
Mit Sicherheit kann man einige Arbeitspakete oder auch Arbeitsschritt gut bündeln und Zeitsparen. Einige Sachen – die Basics, die jedes Unternehmen heute haben sollte (siehe oben) – müssen für jedes Produkt oder jedes Projekt wiederholt werden und sind mehr oder weniger gleich, was den Aufwand angeht. ABER jedes Produkt wird erst nach bzw. durch die Markteinführung zeitintensiv. Sofern es nicht Komplementärgüter sind, brauch jedes Produkt eine eigene Strategie. Vertriebskanäle, Marketingmassnahmen, Kundensegmentierung, Zielgruppen Definition und Budget-Plannung klingt zwar alles Old School, muss aber trotzdem individuell für jedes Produkt erstellt werden. Wenn man hier nicht fokussiert arbeitet, wird man sich schnell verlieren oder übernehmen, bis man die Arbeitslast nicht mehr bewältigen kann.

Antithese 2: Ordnung ist das halbe Leben.
Wir gliedern unsere Produkte bzw. Projekte nach Themenfeldern. Wer vor hat Reitsport-Equipment für Connemara-Pferde (Ponies) und Tuning-Equipment für Golf GTIs gleichzeitig zu platzieren, der sollte sehr vorsichtig sein. Wer auf der anderen Seite zwei oder drei Produkte platzieren will, die Synergie-Effekte haben (nicht unbedingt Cross-Selling Produkte), der sollte vor Allem bei der Planung genaustens aufpassen und sich im Vorfeld eine klare Struktur schaffen. Die Tücken von einem „Double-Launch“ liegen im Detail.

Synthese: Show me the Money!
Am Ende dreht sich doch wieder alles nur ums Geld. Leider ist da etwas wahres dran. Zwar werden sich die Overhead-Kosten für einen jungen Unternehmer oder ein Start-up nicht wesentlich verändern, wenn man ein Produkt oder zwei Produkte an den Markt bringt. Aber die Einkaufskosten (auch wenn wir in China produzieren lassen), die Marketingkosten und ggf. weitere variable Kosten für PR, SEO, Messen etc. können schnell die gesamte Liquidität auffressen. Zwar kann man mit 2 Produkten viel mehr verdienen, allerdings müssen sowohl die finanziellen Mittel reichen als auch organisatorisch alles aufeinander abgestimmt sein. Viel wichtiger: es muss von Anfang an geplant sein, mit zwei Produkten an den Markt zu gehen. Die meisten Entrepreneure stürzen sich auf ein Produkt mit sehr viel Elan und Euphorie, um dann nach 3 Monaten festzustellen, dass es doch nicht alles so leicht ist, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hatte. Dann geistert schnell eine neue Idee im Kopf herum, die viel interessanter klingt und an der man lieber arbeiten würde. Diese Herangehensweise ist fatal und wird höchstwahrscheinlich mit 2 lieblosen Projekten oder Produkten enden, die es beide nicht bis auf den Gipfel des Erfolges schaffen werden. Wenn und wann es Sinn macht ein Produkt aufzugeben, weil es nicht funktioniert und wie man sicherstellen kann, dass ein Produkt erfolgreich wird, ist ein bzw. sind zwei Themen für weitere Posts.

Um diesem Post abzuschliessen bzw. die Diskussion in den Kommentaren zu eröffnen, würde ich für mich festhalten, dass es durchaus Sinn macht 2 Produkte in einem Rutsch auf den Markt zu bringen. Hierbei ist es sehr sinnvoll, wenn man die richtige Struktur hat und bereits eine Organisation hat, die beide Produkte managen kann. Auch wenn es für viele Unternehmer schwer fällt: Entscheidungen müssen getroffen werden und dazu gehört eben auch die Entscheidung, ob man sich fokussiert oder von vornherein diversifiziert. Geld ist dabei ein entscheidender Faktor aber nicht unbedingt Ausschlaggebend. Viel wichtiger ist eigentlich die Vorbereitung und die Koordinationsmöglichkeit von Synergien, die man nutzen kann.

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