Hands on Jobs – Wie „Service Deutschland“ mal was Anderes machen kann

Industrialisierung hat nicht nur die Supermarktregale für uns gefüllt. Wir haben uns auch jobmässig so spezialisiert, dass wir unser Leben auf ein paar bestimmte Tätigkeiten beschränken. Sobald wir mit der Schule durch sind, machen wir ein Studium oder eine Ausbildung. Dadurch ist dann bereits die erste Stufe unserer Spezialisierung abgeschlossen – die vielleicht wichtigste. Danach haben wir bestimmte Fähigkeiten, mit denen wir unseren Lebensunterhalt verdienen können. Im folgenden werden wir dann evtl. noch mal befördert oder wir bekommen eine neue Tätigkeit, aber selten ist es ein drastischer Wechsel – z.B. Von einem Zahnarzt zu einem Tischler, oder Malermeister zum Versicherungsvertreter.

Unsere Laufbahnen sind vordefiniert und wir haben nur ganz selten die Möglichkeit aus dieser vorgefertigten Bahn auszusteigen um ein Mal etwas gänzlich anderes zu machen. Für mich war genau das einer der Gründe, warum ich in der Corporate-World nie richtig glücklich werden konnte. Als ich nach der Ausbildung und dem Studium meinen ersten Job antrat, war ich zwar hochmotiviert und hatte auch fest vor das ganze Spiel mitzuspielen, aber dann kam alles anders. Am Anfang war noch alles gut. Man hatte jeden Tag etwas neues zu lernen. Man musste sich in dem Team integrieren, einen guten Job machen und Resultate liefern. Später war man im Team integriert, die Aufgaben wiederholten sich, die Gespräche waren öfter und öfter die gleichen und die Lernkurve nahm immer mehr ab. Die Meetings, die am Anfang noch interessant waren wurden immer lästiger und kamen einen wie eine halbe Ewigkeit vor. In Unternehmen mit einer guten Personalführung und vorausgesetzt man macht einen guten Job, sollte dann bald die erste Beförderung anstehen. Als junger Graduate, sollte man bereit sein Personalverantwortung zu übernehmen, neue Aufgaben zu bekommen oder an der alljährlichen Restrukturierung teilnehmen – die sogennanten Overhead Responsibilities – die langfristig die Präsenz bei der Geschäftsführung erhöhen und den Weg für die weitere Laufbahn in der bereits von vornherein vorgefertigten Karriere ebnen. Das klingt genauso langweilig, wie es höchst wahrscheinlich auch ist. Ich konnte diesen Weg nicht zu Ende gehen. Mit spätestens 45 hätte ich mir freiwillig die Kugel gegeben, einen Herzinfakt bekommen oder wäre durch eine Überdosis Koks auf einer mexikanischen Prostituierten aus dieser Welt geschieden. Kurz gesagt: „ich wollte mehr“, ich wollte etwas Neues, ich wollte eine stetige Lernkurve haben, die nach oben geht und nicht immer weiter abflacht. In den letzten Wochen hatte ich die Chance in einen neuen Beruf zu schauen, etwas Neues zu lernen und Mal was ganz Anderes zu machen. Auch wenn ich nie am Schreibtisch arbeite, verübe ich Normalerweise Schreibtischtätigkeiten, die kreatives Denken, schreiben am Computer und Internet erfordern. Nach einer Bankausbildung und meinem Berufsstart in der City of London, ist dies die Arbeit, die ich am längsten verüben kann.

In den letzten Tagen, war mein Körper das erste Mal richtig gefordert, was physische Arbeit angeht. Klar habe ich ein paar Mal einen Umzug mit gemacht, einen Garten umgegraben, eine Wand gestrichen oder vergleichbare Wochenendtätigkeiten. Aber ca. 700 qm Laminat habe ich noch nie verlegt. Für mich war es eine interessante Aufgabe, da ich zunächst Null Ahnung hatte, wie das geht und dann nach den ersten 40 qm die Technik raus hatte und nach Short-Cuts gesucht habe, wie man die Arbeit noch schneller und effizienter machen könnte. Ein paar Handgriffe gibt es, aber für einen ungeübten wie mich, bleibt es ein Knochenjob, den man nicht viel länger als 8 Stunden am Tag machen kann. Man wird zwar schnell besser und es ist keine Raketenwissenschaft, aber dennoch wird dem Körper und dem Geist einiges abverlangt. Ständig ist man auf den Knien, am Messen, am Sägen, etc. Es werden Muskelpartien beansprucht, die man im Fitnessstudio oder beim workout nicht richtig trainiert hat. Zusätzlich muss man sich von einer Bahn Laminat zur nächsten vorarbeiten, bis das Zimmer fertig ist. Dann kommt das nächste Zimmer. Dadurch wird eine solche Aufgabe immer mehr zu einer Ausdauerübung.

Fazit: Das ganze ist kein leichter Job, aber es hat echt Spass gemacht etwas neues auszuprobieren und mit den Händen zu arbeiten. Man sieht was man gemacht hat und wenn man am Ende durch die 700 qm und 20 Zimmer geht, ist es toll zu sehen, wie ein Rohbau langsam bezugsfertig wurde. Aber es war eigentlich egal, ob es Laminatlegen war, oder ein anderes Handwerk. Es ging um die Erfahrung, die man in diesem Berufszweig sammeln konnte. Da es ein grosses Haus mit mehreren Wohnungen war, war es mehr als der gute alte Tim Taylor Heimwerker King – es war eine Art Mini-Ausbildung in einem Berufszweig gänzlich unterschiedlich war von meinen bisherigen Tätigkeiten. Der Lernprozess war sehr interessant zu beobachten, Körper und Geist wurden voll beansprucht und auch wenn man am Ende K.O. war, war es trotzdem eine Art Urlaub. Man kann mit gewissem Stolz auf seine Arbeit zurück schauen und tankt wieder Energie für seinen eigenen Alltag – der vielleicht gar nicht immer so schlecht ist. Jeder der die Möglichkeit bekommt, mal was ganz anderes zu machen, der sollte die Chance ergreifen. Versucht Jobs zu tauschen, wenn es irgendwie möglich ist oder arbeitet freiwillig irgendwo mit. Gerade für die Schreibtisch Boys & Girls kann es eine wirkliche Alternative darstellen zum Alltag. Auch wenn wir alle mehr oder weniger spezialisiert sind, können wir trotzdem unseren Horizont erweitern und in andere Tätigkeiten hereinschauen – auch wenn es anstrengend ist und wir uns zwischendurch nichts mehr als unseren Alltag wünschen mit einem Laptop, einem Bier und Sandstrand – das schreckliche Leben von einen Blogger 🙂

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