The F Word – Failure, Niederlagen, Verlust und verlieren – wie wir damit umgehen

In allen Sprachen gibt es ein Wort, das so schlimm ist, dass es eigentlich keiner aussprechen will und wenn wir es aussprechen, dann wollen wir es auf keinen Fall mit unserer Person in Verbindung gebracht sehen. Aus dem englischen kennen wir es als das F Word – doch die Rede ist nicht von Fuck. Die Rede ist von “Failure” zu deutsch: Verlieren, Niederlage, Verlust – wie man es auch immer ausdrücken will, keiner will es auf seinem Lebenslauf stehen haben und keiner will damit in Verbindung gebracht werden. Wir werden bereits im Kindesalter versucht auf die Strasse der Gewinner geführt zu werden. Wir werden sehr früh im Leben mit Plätzen und Wettkämpfen konfrontiert. Es geht eigentlich unser ganzes Leben ums Gewinnen. Früher haben wir uns gefreut, wenn wir einen Pokal gewonnen haben oder irgendwo in einer Sportart oder Schulprojekt den ersten Platz gemacht haben. Später gewinnen wir in Form von öffentlicher
Anerkennung. Wir kriegen ein Studium an einer guten Universität, wir kriegen evtl. noch ein Stipendium, wir sind erfolgreich in unserem Job oder wir sind weiter in (Vereins-)Sportarten aktiv und gewinnen da. Jeder hat den ein oder anderen Gewinn zu verbuchen. Das schöne am Menschen ist, dass es so vielfältig ist, dass jeder in einer Sache gut sein kann. Jeder kann ein Gewinner sein und jeder kann sich mit seinen Siegen, Medaillen, Pokalen, Auszeichnungen etc. schmücken und rühmen. Das sind die Sachen, die wir auf dem Lebenslauf haben wollen.

Aber im Leben gibt es nicht immer nur Gewinner. Es gibt eigentlich immer nur einen Gewinner und ab da kann man nur noch erster unter den Verlieren werden – oder noch schlimmer: erster von hinten.
Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir verlieren lernen. Wir müssen lernen, mit Verlusten und Niederlagen umzugehen. Wir werden alle irgendwann verlieren und wir haben auch alle bereits einmal verloren. Es ist aber nicht jede Niederlage gleich. Es gibt zwei Arten von Niederlagen. Die erste Art von Niederlage, entsteht aus Sachen oder Situationen, die wir kontrollieren können. Zum Beispiel habe ich einmal versucht ein Unternehmen zu gründen, ich war noch relativ jung und hatte kaum Erfahrungen was das ganze Administrative anging. Ich hatte eine Idee und dachte, dass sich der Rest schon irgendwie erledigen wird. Und am Anfang lief auch alles recht gut. Ich war hoch motiviert, ich hatte meine Geschäftspartner und jeder von uns wollte so schnell wie möglich loslegen. Es verging nicht viel Zeit, bis wir die ersten Leute einstellen wollten. Zu der Zeit hatten wir nicht einmal ein Büro und haben die Kandidaten in einem Hotel und bei McDonalds interviewt. Die Zeit war geprägt durch Enthusiasmus und Unternehmergeist. Es gab für uns nichts besseres als das Geschäft zum Laufen zu kriegen. Jeden Tag waren wir von morgens bis tief in die Nacht am Machen und Tun. Wir wollten Leute direkt von der Universität abwerben und haben Kontakte aufgebaut. Wir waren ständig unterwegs und haben nach Büros geschaut – hatten die ersten Leute interviewt und mussten dann feststellen, dass unser Startkapital für das geplante Unternehmen nie reichen würde. Die ersten Behördengänge und die zahlreichen Gespräche mit Anwälten, die uns bei der Unternehmensgründung helfen sollten, machten es schnell klar, dass wir keine Chance haben werden. Es war zu viel auf einmal und wir hatten das benötigte Kapital nicht. Es war eine Niederlage und ich wollte meine Karriere als Entrepreneur schon fast aufgeben. Die Motivation war am Boden. Ich hatte versagt anständig zu planen und eine ausreichende Finanzierung aufzubauen. Diese Art von Niederlage, ist die schlimmste die einem passieren kann. Wir oder in diesem Fall ich hätte es kontrollieren können. Ich hätte es besser wissen sollen und ich hätte es besser planen sollen. Der Verlust geht auf meine Kappe.

Doch es gibt noch eine andere Art von Niederlage. Auch diese Niederlage ist schwer zu verkraften. Es ist die Art von Niederlage, auf die wir keinen Einfluss haben. Auch hierfür kann ich ein Beispiel aus meinem Leben anbringen: ich war in der Schule immer einer der Kleinsten in meiner Klasse. All meine Freunde waren einen Kopf grösser und mir körperlich überlegen. Besonders beim Sport hatte ich damit zu kämpfen. Es gab immer wieder Wettkämpfe bei denen die Schulen aus der Umgebung gegeneinander angetreten sind. Diese Wettrennen waren für uns immer eine grosse Sache und unsere Schule hatte immer ein gutes Team. Ich hab jedes Jahr versucht in dieses Team reinzukommen – schliesslich liefen alle meine Freunde immer mit und ich wollte auch etwas für die Schule gewinnen. Noch viel mehr wollte ich nicht nur auf der Bank sitzen und meinen Freunden beim Gewinnen zuschauen. Aber ich war einfach zu klein. Ich kam bei den anderen, die einen Kopf grösser waren einfach nicht mit. Ich hab bei der Vorauswahl immer den ersten Platz der Verlierer gemacht. Es waren immer nur ein paar Sekunden und ein Meter, die ich hinter den Anderen lag. Es war nie genug um ins Team zu kommen. Erst relativ spät in der Pubertät bin ich gewachsen und ich hatte mich schon fast damit abgefunden, die Sportarten aufzugeben, bei denen Grösse gefragt ist.

Auch diese Art von Niederlagen begleiten uns noch sehr lange und gerade in den Momenten, in denen wir damit konfrontiert werden, kommt es uns vor als würde die Welt untergehen. Es scheinen alle Türen verschlossen zu sein und es scheint keinen Ausweg mehr zu geben. Der Schmerz sitzt Tief und man fühlt sich schlecht. Am liebsten möchte man sich irgendwo verkriechen und nie wieder hervor kommen. Man hat Angst seinen Freunden oder seiner Familie in die Augen zu schauen. Wir wollen am liebsten nie wieder drüber reden und alles vergessen. Gerade wen wir uns etwas wirklich vorgenommen haben und eine Menge davon abhängt, ist es besonders schwer mit einer Niederlage umzugehen. Wir suchen nach Entschuldigungen – oft bei den Anderen oder bei den schlechten Umständen. Wir versuchen unser Möglichstes um nicht weiterhin mit der Niederlage in Verbindung gebracht zu werden. Und genau das ist es, was wir auch machen sollten. Aber nicht um die Niederlage wettzumachen, sondern um aus der Niederlage zu lernen und es bei nächsten Mal besser zu machen. Bei den Niederlagen, die wir kontrollieren können, da ist das machbar. Wir können aus unseren Fehlern lernen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich als Unternehmer wieder auf den Beinen war und einen neuen Anlauf gestartet hatte. Ich habe aus den Fehlern und den Erfahrungen gelernt und kann noch heute aus meinen Fehlern schöpfen. Sie gehören zu mir genauso wie meine Erfolg. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass ich ohne meine Niederlagen nicht die Erfolge hätte haben können, die ich heute verbuchen kann.
Bei den Niederlagen, die wir nicht kontrollieren können, ist es etwas schwerer. Ich habe es nie ins Schulteam geschafft und konnte leider nie ein Wettrennen mit meinen Freunden bestreiten. Ich weiss bis heute nicht, wie es ist da oben auf dem Treppchen zu stehen und einen Pokal für die Schule zu holen. Ich musste mich neu orientieren und Sportarten wählen, bei denen ich eine Chance hatte zu gewinnen. Auch das hat nicht sehr lange gedauert. Ich hatte immer viele Interessen und konnte mich schnell in Sportarten etablieren, die viel mit Geschick zu tun hatten. Manchmal ist das Leben hart. Wir können nicht alles gewinnen. Nicht jeder von uns kann ein Marathonläufer sein und nicht jeder von uns keine ein Sumo-Ringer sein. Doch jeder Mensch hat Talente und jeder Mensch mit ein wenig Fleiss und Ehrgeiz kann zu einem Gewinner werden – die Art von Gewinner, die die Gesellschaft von uns sehen möchte. Doch der Punkt ist eigentlich ein ganz anderer: Wir werden alle irgendwann verlieren – wir werden auch nicht nur ein Mal verlieren, sondern immer wieder werden wir mit Niederlagen umgehen müssen. Sie gehören zu unserem Leben und sie prägen uns. Es liegt an uns, wie wir uns von ihnen prägen lassen. Dabei ist es egal, ob es eine selbstverschuldete Niederlage ist oder ob wir keinen Einfluss drauf hatten. Wir haben das Potential immer besser zu werden und jede Niederlage ist dabei eine bessere Hilfe als ein Sieg. Sobald wir diese Einstellung haben, sind wir auf der Gewinnerstrasse des Lebens und Türen werden sich wieder öffnen – auch wenn man manchmal etwas drauf warten muss und eine Niederlage schmerzlich sein kann. Wer es wagt zu kämpfen, der riskiert es zu verlieren, doch wer nicht kämpft der hat bereits verloren.

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Ein Kommentar zu “The F Word – Failure, Niederlagen, Verlust und verlieren – wie wir damit umgehen

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